Günter Lossa: Der entscheidende Zug (Schach)

Ungefähre Lesezeit für diesen Beitrag: 3 Minuten

50 attraktive Schach-Kombinationen

von Thomas Binder

Der frühere Bundesligaspieler und Chefredakteur des „Schach-Report“ Günter Lossa meldet sich mit dem schmalen Bändchen „Der entscheidende Zug zum zwingenden Mattangriff“ auf dem Buchmarkt zurück, welches genau das enthält, was der Titel verspricht: 50 Schachpartien, die allesamt mit einer attraktiven Mattkombination enden.

Günter Lossa - Der entscheidende Zug - Beyer Verlag - Cover - Glarean Magazin
Günter Lossa: Der entscheidende Zug, Beyer Verlag

Um es vorweg zu nehmen: Angesichts des unschlagbar günstigen Preises und der gefälligen Aufmachung kann man sich beim Kauf dieses Buches eigentlich nicht vertun. Es spricht zudem eine breite Zielgruppe an. Wer gerade die Anfangsgründe des Schachspiels erlernt hat, wird mit den Aufgaben zwar überfordert sein, kann sie anhand der Lösungsbesprechung aber mit reichem Erkenntnisgewinn erarbeiten. Manches Mattbild muss man eben einmal gesehen haben, um es im passenden Moment wieder zu erkennen.

Sehenswerte Partien dem Vergessen entrissen

50 attraktive Schach-Kombinationen bis zum Matt in Lossa's "Der entscheidende Zug"
50 attraktive Schach-Kombinationen bis zum Matt in Lossa’s „Der entscheidende Zug“

Der durchschnittliche Vereinsspieler sollte sich bereits der Herausforderung stellen, die Aufgaben lösen zu können. Er wird an vielen Stellen erfolgreich sein, an anderen die Hilfe des Autors benötigen. Fortgeschrittene Spieler oberhalb eines Wertzahlniveaus von etwa 1700 können manche Partie als Fingerübung zwischendurch probieren oder eben einfach in den Texten schmökern.
Unter den vorgestellten Partien findet der Kenner neben vielem, was er schon anderswo gesehen hat, auch manche sehenswerte Partie, die sonst wohl in Vergessenheit geraten wäre.

Spieler und Turniere interessant vorgestellt

Günter Lossa
Günter Lossa

Lossa präsentiert die 50 Aufgaben jeweils auf einer Buchseite, beginnend mit einem großen Diagramm der kritischen Stellung. Dann folgt ein einführender Text. In genau angemessenem Umfang werden die Spieler vorgestellt und wird auf das betreffende Turnier eingegangen. Der Leser wird damit auf die Partie eingestimmt. Danach folgt deren bisheriger Verlauf als Kurznotation. Auf diesen Absatz hätte man gut und gerne verzichten können. Der Leser wird sich ohnehin an der abgebildeten Stellung orientieren. Den vorhergehenden Partieverlauf nachzuspielen, bringt ihm nicht viel, fehlen doch hier jegliche Kommentare und Varianten. Abschließend stellt Lossa dann die Mattaufgabe, an der sich der Leser versuchen soll.
Die Antworten findet er dann im letzten Teil des Buches. Meist füllen je drei Lösungen eine Seite. Auch hier trifft Günter Lossa das richtige Maß. Seine Kommentare und Varianten beantworten alle Fragen. Besonders angenehm fällt auf, dass der Autor auch den Lösungsbesprechungen jeweils ein kleines Diagramm spendiert, und zwar keine plumpe Wiederholung der Aufgabe, sondern ein zusätzliches Stellungsbild an einer entscheidenden Verzweigung oder im Zuge einer längeren Mattführung. So kann auch der weniger geübte Leser die Zugfolge problemlos „vom Blatt“ verfolgen.

Material aus den 1980er Jahren

Fazit: Angesichts der gefälligen Aufmachung und des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses liegt mit „Der entscheidende Zug zum zwingenden Mattangriff“ ein Buch vor, das Schachspieler (fast) jeder Spielstärke mit Genuss und Gewinn lesen können. Die kleinen inhaltlichen Ungenauigkeiten sind dem Alter der Texte geschuldet und lassen sich leicht korrigieren.

Liest man die Texte etwas genauer, entsteht freilich der Eindruck, dass hier älteres Material (vielleicht aus einer Zeitungskolumne?) recycelt wurde. Die jüngsten Partien stammen vom Anfang der 1980er-Jahre und auch der Text ist inhaltlich auf diesem Stand geblieben. Da wirkt einiges dann merkwürdig „aus der Zeit gefallen“. Die Schacholympiade wird als Mannschafts-WM bezeichnet, Fernschach wird per Postkarte gespielt und die Spitzenklubs der Bundesliga heißen neben Solingen (es gibt also noch Konstanten) noch Porz und Bayern München. Hier und da sind auch missverständliche Formulierungen zu beklagen. Hugo Hussong war gewiss nicht einer der „wenigen“ bekannten deutschen Schachmeister, sondern eben einer der „weniger“ bekannten.
Bei einer Neuauflage sollte man sich also der Mühe unterziehen, die Texte aus heutiger Sicht zu aktualisieren. Dann kann man diesen informativen und angenehm lesbaren Absätzen mit ihren aufschlussreichen Fakten noch besser vertrauen. ♦

Günter Lossa: Der entscheidende Zug zum zwingenden Mattangriff, Joachim Beyer Verlag, 80 Seiten, ISBN 978-3-95920071-4

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema Schach-Aufgaben auch die neue Serie
Godzilla Endgame Chess Puzzles

...und wie ist Ihre Meinung zu diesem Beitrag?