Computerschach: Fritz 16 erschienen

In Hamburg nichts Neues

von Walter Eigenmann

Der Hamburger Schachsoftware-Hersteller Chessbase ist zuverläßig, wenn es darum geht, die Kundschaft mit pünktlicher Lieferung zufrieden zu stellen: „Alle Jahre wieder“ ein paar Wochen vor der weihnächtlichen Bescherung wird der weltweiten Schachgemeinde ein neuer „Fritz“ empfohlen… Frühere „Fritz“-Neuauflagen legten dabei durchaus zuweilen kräftig nach in Sachen neue Features oder bezüglich interessante Novitäten auf den Gebieten Partie-Analyse, Datenbank-Handling oder Online-Anbindung.

Wenig Neues beim Neuen

Der neue Startbildschirm von "Fritz 16": Freundlich, einladend, übersichtlich strukturiert
Der neue Startbildschirm von „Fritz 16“: Freundlich, einladend, übersichtlich strukturiert

Heuer wird der „Fritz“-Anwender bei seiner Suche nach Neuem im aktuellen „Fritz“-Paket allerdings deutlich weniger fündig als beispielsweise bei Vorgänger-Versionen wie Fritz 12 oder Fritz 15. Die 16. Ausgabe ist definitiv kein großer Wurf: Zu wenig der Verbesserungen in Menü und Outfit, kaum neue Features, und auch kaum eine schachliche Verbesserung der „hauseigenen“ Engine (für die wiederum der einstige „Rybka“-Programmierer Vasik Rajlich verantwortlich zeichnet).

Stagnierende Entwicklung der Fritz-Engine

Apropos Engine: Der originale Fritz-Motor zählt, obwohl längst nicht mehr an der absoluten Spitze des Engine-Zirkus‘ mitmischend, nach wie vor zu den extrem starken Engines, die jeden menschlichen Großmeister in Grund und Boden spielen, und die für den analysierenden wie selber spielenden Schachfreund verlässliche Partner sind. Immerhin hat mit V. Rajlich einer der begabtesten Programmierer der Szene Hand an „Fritz16.exe“ angelegt.
Für die zweite Garnitur der Top-10 ist jedenfalls der neue „Fritz“ durchaus ein ernst zu nehmender Gegner, wie nachstehende Partie gegen die aktuelle Nummer Vier zeigt. Um auch gleich ein Beispiel für die neue „Vollanalyse“ der GUI zu bringen, wurde das Game eben dieser sog. Taktischen Analyse (siehe unten) unterworfen (hier mit dem Stockfish-Derivat AsmFish).

Fritz 16 - Shredder 13 - Match 5 Min - 4Cores

Analyse-Feature von „Chessbase 14“ ins Boot geholt

So ganz ohne Neuerung kommt aber natürlich auch dieser jüngste „Fritz“ nicht daher. Zwei Novitäten sind’s im Wesentlichen, die unter dem vielen Bewährten als echter Mehrwert auffallen. Da ist einmal, wie oben erwähnt, die „Taktische Analyse“, die erstmals bei der Datenbank „Chessbase 14“ integriert und nun auch zu „Fritz“ herübergeholt wurde, wobei dieses interessante CB-Feature bei Fritz 16 nach wie vor unterm Menü-Punkt „Vollanalyse“ firmiert.

Neu: Blindspielen gegen „Fritz“

Eine zweite „Fritz“-Neuheit ist die „Einfache Partie“ (Easy Play), die bereits via Startbildschirm als eigenständiges Interface für persönliche Partien gegen das Programm aufrufbar ist. Hier wiederum fällt dann die neue Option „Blindspielen“ bzw. „Unterstütztes Rechentraining“ auf.
Daneben hat auch dieser neue „Fritz“ mehr oder weniger nützliche Gimmick-News vorzuweisen – beispielsweise die Option „Partieformular entziffern“, die Probleme mit unleserlichen Zugnotationen lösen soll.

Die Trainings-Menüleiste von "Fritz 16" mit den bekannten Features für das persönliche Schach-Üben
Die Trainings-Menüleiste von „Fritz 16“ mit den bekannten Features für das persönliche Schach-Üben

Nullrunde als Chance für Fritz 17

Fazit: Fritz 16 muss niemand kaufen, der die 15. Version schon auf der Festplatte hat. Chessbase ist bekannt für wirklich innovative Schachsoftware und eine sehr mehrwertige Produkte-Palette, und die Firma bedient die Schachfreunde regelmäßig mit Novitäten, wie sie andere nicht aufweisen können. Doch mit dem aktuellen „Fritz“ scheint eine Art Pflichtauflage bewerkstelligt worden zu sein, damit das Weihnachtsgeschäft 2017 nicht völlig an einem vorbei geht… (Wer überhaupt noch keinen „Fritz“ installiert hat, für den ist die Nummer 16 selbstverständlich unbedingt eine Option: Er erhält damit eines der mächtigsten und online bestintegriertesten Schachpakete der Welt).
Kurzum: Wenn Chessbase diese „Denkpause“ nutzt, um dann mit Fritz 17 ein umso interessanteres „neues“ Produkt anzubieten, hat sich dieser „Nullmove“ vielleicht doch noch gelohnt. Die Schachgemeinde erwartet in Sachen „Fritz“ keine Revolutionen (mehr), aber ein bisschen Evolution darf es jeweils schon sein… Man ist also durchaus gespannt, was in Hamburg noch alles an zukünftigem Mehrwert im „Fritz“-Köcher steckt. Bei der nächsten „Fritz“-Version 2018 dann aber nochmals einen solchen Minimalismus abzuliefern könnte der Reputation dieser „altehrwürdigen“ Schachsoftware ernsthaften Schaden zufügen… ♦

Chessbase / Hamburg: Fritz 16 – Schachprogramm (Interface mit Datenbank, Engine, Online-Anbindung), DVD

Lesen Sie im Glarean Magazin auch über einen der direkten „Fritz“-Konkurrenten: Shredder 13 erschienen


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