Ines Oppitz: Bild-Meditation über „Landschaft mit Laternen“

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inmitten / abgewandt

Bild-Meditation über „Landschaft mit Laternen“ von Paul Delvaux

Ines Oppitz

Paul Delvaux - Landschaft mit Laternen - Ölbild 1956 - Glarean Magazin
Paul Delvaux – Land­schaft mit Later­nen – Ölbild 1956

müdig­keit auf den lidern wie schnee fällt und wind sich senkt in die felle / schwer die lider die erin­ne­rung licht / jetzt die erin­ne­rung gelich­tet der abend in die helle genom­men die dahin­zie­hen­den wände / umschlies­sung wie in nach unten weit geöff­ne­ten armen / in die­sem schutz tritt sie / im aus­ge­gos­se­nen licht / wach­sa­men later­nen­spa­lier / zier­lich auf abstand distanz wie gemes­sen / tritt sie ins bild / ein wenig ver­kürzt der saum das schwarze gewand ein wenig im nir­gendwo über dem bild­rand / nur ein schritt könnte sagen woher / zurück nur ein schritt ohne nach­rü­cken des bil­des / ein schritt oder zwei oder und… tritt sie ins bild feh­len­des saum­stück / der saum das pflas­ter umschwe­bend dun­kel die schwere das kleid die schleppe schmal hin zur mitte des lei­bes zart auf­stei­gen­des spiel um die schul­tern / ala­bas­ter der nacken / gekno­tet das mond­durch­spon­nene haar / die gestalt auf­recht undeut­bar / licht über den wän­den wie tag / tra­peze / ast­ge­wirk an den stäm­men der pap­peln / auf­wärts als wäre der him­mel zu tra­gen / tief­schwarz der him­mel see­lenk­leid schwarz die bli­cke der wände ins innere eines gehöfts / breit fliesst der weg / strömt abwärts unmerk­lich in streng qua­dra­tisch abge­zir­kel­ten stei­nen schwärz­lich gefügt / strömt abwärts der weg auf sei­nem rücken das licht das abnimmt hin­aus in das tal / am unte­ren bild­rand steht sie tritt in das bild rück­lings eine andere wirk­lich­keit / abge­wandt / erhöht steht sie in der szene des bilds der dämm­ri­gen land­schaft zu / der fah­len wiese dem mil­chi­gen see der blas­sen kahl­heit der berge / stille ist / ruhe / knis­tert leise das licht / fängt sie frie­den ein in der brust / mit über­ein­an­der lie­gen­den hän­den ist es wie immer ersehnt im ein­klang des abends im ver­sie­gen­den schläf­ri­gen tag / ruhe ist… oder erschre­ckend / schre­cken abweh­rende geste …

falb­weiss zur mitte des bil­des hin zwei gestal­ten nahe am was­ser / der schritt ohne hast / im gleich­mass der schritt das gehen gra­vi­tä­tisch hin­ter­ein­an­der / zwi­schen ihnen die bahre hoch gebauscht dar­auf gel­lend weiss das schrei­ende tuch… ♦


Ines OppitzInes Oppitz - Lyrik-Autorin im Glarean Magazin

Gebo­ren in Wels/A, Aus­bil­dung zur Leh­re­rin in Linz, anschlies­send sechs Jahre Schul­dienst an Volks- und Haupt­schu­len; Stu­dium der Neue­ren Deut­schen Litera­tur­wis­sen­schaft und Phi­lo­so­phie, Aus­bil­dung zur diplo­mier­ten Lite­ra­tur­päd­ago­gin; Ver­schie­dene Buch­pu­bli­ka­tio­nen, zahl­rei­che Ver­öf­fent­li­chun­gen in Antho­lo­gien, Lite­ra­tur- und Kul­tur­zeit­schrif­ten; lebt als frei­be­ruf­li­che Lite­ra­tur­päd­ago­gin in Wels

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema Bild-Medi­ta­tion auch Johanna Klara Kuppe: Über Bil­der von Böck­lin und De Chirico

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