Jean-Marc Souvira: «Der Zauberer»

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Mörderische Tricks – Mistral ermittelt

Günter Nawe

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Er ist so ganz anders – der Kommissar Ludovic Mistral, Leitender Kommissar im Pariser Polizeipräsidium am Quai des Orfèvres. – kein Kriminalrambo, weder Alkoholiker; noch depressiv. Dafür ein braver Familienvater mit zwei Kindern, intelligent, musikliebend, einfach ein netter Kerl.
So erlebt der Leser ihn in dem jetzt erstmals in Deutschland veröffentlichten und in Köln Presse und Publikum vorgestellten Debüt-Roman «Der Zauberer». Der Autor Jean-Marc Souvira, geboren 1954 in Oran, war 25 Jahre Kriminalkommissar und ist jetzt Leiter der Abteilung Geldwäsche und Terrorismus in Paris. Er hatte bereits mit einer kurzen Geschichte, die Luc Besson unter dem Titel «Go fast» verfilmt hat, erste literarische Aufmerksamkeit gefunden.
Der «Gegenspieler» von Kommissar Mistral in seinem Roman ist der «Zauberer»Arnaud Lécuyer, der vor Jahren Paris in Angst und Schrecken versetzt hat. Mit Zaubertricks, mörderisches Tricks, hat er kleine Jungen angelockt, sie beinahe rituell erdrosselt, erstochen und vergewaltigt – ohne auch nur die geringste Spur zu hinterlassen. Mordwaffe ist ein umfunktionierter Schraubenzieher, mit dem Lécuyer auch andere Morde verübt hat. Nach zwölf Jahren Gefängnisaufenthalt – übrigens wegen eines anderen Delikts – beginnt sein Treiben nun von Neuem. Und weitere Opfer sind zu erwarten.
Damit beginnt auch die Jagd auf den «Zauberer». Ein Kampf gegen die Zeit und ein schwieriges Unterfangen, denn der Mann ist unscheinbar, unauffällig, aber von inneren Dämonen getrieben, mit denen er «im Gespräch» ist, und äußerst raffiniert in der Ausführung seiner schrecklichen Taten. Ein so ganz anderer Tätertyp als wir ihn aus den herkömmlichen Kriminalromanen und Thrillern kennen.

Die Seelenlage des geisteskranken Täters ausgelotet: Jean-Marc Souvira

Souvira, der im Gespräch in Köln bekannte, dass «beaucoup» von ihm selbst in Kommissar steckt, hat mehrere authentische Fälle zu einer Romanhandlung komprimiert. Er kennt natürlich die Ermittlungsarbeit, er weiß aber auch um die unterschiedlichsten Täterprofile. In diesem Fall hat ihn – und letztlich auch den Leser – die Seelenlage des Täters, eines Geisteskranken, interessiert. Souvira beschreibt in einem fast lakonischen Stil, aus wechselnden Perspektiven, die Obsessionen des Täters, seine Wahrnehmungen und Ängste. Das macht diesen Roman so außergewöhnlich, auch aus literarischer Sicht, und so spannend.
Auch von der Dramaturgie her ist der Roman hochinteressant. Obwohl der Leser den Täter von Anfang an kennt, lassen die Spannung und das Interesse nicht nach. Souvira: «Der Roman hat eine Melodie. Der Rhythmus wird dem Ende zu immer schneller» – bis zum schrecklich-großartigen Showdown. Und so verfolgt der Leser das Geschehen atemlos bis zur letzten Seite. Was nicht zuletzt auch an der ausgezeichneten Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Werner liegt.

Ein Krimi, ein Thriller mit einem interessanten Plot, spannend, gut geschrieben und mit Tiefgang: «Der Zauberer» ist ein faszinierender Roman, den man gern empfiehlt.

Im Gespräch erläuterte Jean-Marc Souvira seine Intention. Ihn hat vor allem interessiert, was hinter der Tat steht. So versucht sein Kommissar Mistral, in die Seelenwelt des Täters einzudringen. Und die so gewonnen Erkenntnisse für die Ergreifung des Täters zu nutzen.
Das gelingt ihm auf hervorragende Weise.
Kommissar Ludovic Mistral wird – so Jean-Marc Souvira – weiter ermitteln. Ein zweiter Fall wird im Roman «Die dunkle Seite des Spiegels» gelöst. Und ein dritter Roman ist in Arbeit. Zur Freude des Lesers, der diesen Autor und seinem Kommissar gern bei seinen Ermittlungen begleiten wird. ■

Jean-Marc Souvira, Der Zauberer, Kriminalroman, 491 Seiten, Bastei-Lübbe-Verlag, ISBN 978-3-404-16526-1

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