Duden: Wer hats gesagt? – Berühmte Zitate

«Jetzt geht mir ein Licht auf»

von Wal­ter Ei­gen­mann

Duden - Wer hats gesagt? - Berühmte Zitate und RedewendungenEs gibt Zi­tate und Re­dens­ar­ten, die kennt ein­fach je­der (oder sollte je­der ken­nen): Bei­spiels­weise ist «Er­rare hu­ma­num est» (Hie­ro­ny­mus: Briefe), «Der Geist ist wil­lig, aber das Fleisch ist schwach» (Bi­bel: Mat­thäu­sevan­ge­lium), «Was mich nicht um­bringt, macht mich stär­ker» (Nietz­sche: Göt­zen-Däm­me­rung),  «In vino ve­ri­tas» (Al­kaios: Frag­mente) «Liebe macht blind» (Pla­ton: Dia­loge), «Wie sag ich’s mei­nem Kinde?» (Deut­scher Auf­klä­rungs­film 1970) oder «Es geht mir ein Licht auf» (Hiob & Psalm 97) so häu­fig in al­ler Munde, dass buch­stäb­lich vom «Volks­mund» ge­re­det wer­den kann.
We­ni­ger ge­läu­fig im Le­ben neu­zeit­li­cher Ge­sell­schaf­ten sind da schon Wen­dun­gen wie «Im An­fang war die Tat» (Bi­bel: Jo­han­nes­evan­ge­lium), «Kri­tik des Her­zens» (Wil­helm Busch: Ge­dichte),  «Co­gito ergo sum» (Des­car­tes: Princi­pia phi­lo­so­phiae), «Ge­tret­ner Quark wird breit, nicht stark» (Goe­the: West­öst­li­cher Di­wan) oder «Non li­quet» (Ci­cero: Re­den). Und voll­ends un­be­kannt sind heut­zu­tage sol­che einst sehr ge­bräuch­li­chen Zi­tate wie «Es war die Nach­ti­gall und nicht die Ler­che» (Shake­speare: Ro­meo und Ju­lia), «Friede den Hüt­ten! Krieg den Pa­läs­ten!»  (Rosa Lu­xem­burg: Die Rus­si­sche Re­vo­lu­tion) oder «Hic Rho­dus, hic salta!» (Äsop: Fa­beln).

Von Revolutionär Lenin bis zu Fussballtrainer Trapattoni

Eine Buch-Neu­heit in der Reihe «All­ge­mein­bil­dung», die 500 sol­cher be­rühm­ten Zi­tate und Re­de­wen­dun­gen von Re­li­gi­ons­stif­ter Je­sus («Ich bin das A und O») über Re­vo­lu­tio­när Le­nin («Die Wahr­heit ist im­mer kon­kret») bis hin zu Trai­ner Tra­pat­toni («Ich habe fer­tig!») ver­sam­melt, prä­sen­tiert nun die deut­sche Du­den-Re­dak­tion. Un­ter dem Ti­tel «Wer hats ge­sagt?» klärt sie da­bei Her­kunft bzw. Quel­len der Wen­dun­gen auf, er­läu­tert ih­ren tra­dier­ten Ge­brauch, geht nö­ti­gen­falls auf ihre wei­ter­füh­rende Be­deu­tung im mo­der­nen All­tag ein, streift auch et­waige se­man­ti­sche Trans­for­ma­tio­nen im Laufe der Jahr­hun­derte.

Drei der wichtigsten Zitate-Lieferanten: Die Dichterfürsten Goethe, Schiller und Shakespeare
Drei der wich­tigs­ten Zi­tate-Lie­fe­ran­ten: Die Dich­ter­fürs­ten Goe­the, Schil­ler und Shake­speare

Über De­tails sol­cher Zu­sam­men­stel­lun­gen, zu­mal bei de­ren er­klär­tem Ziel, «Klu­ges und glaub­wür­di­ges Zi­tie­ren» zu er­leich­tern, lässt sich im­mer strei­ten, und ob bei­spiels­weise die Sprach­pro­bleme ei­nes Fuß­ball­trai­ners (s.o.) – so wit­zig und be­kannt das ist – tat­säch­lich in den Olymp der «500 be­rühm­ten Zi­tate und Re­de­wen­dun­gen» ei­nes re­nom­mier­ten Du­den-Ver­la­ges ge­hievt wer­den sol­len, ist Ge­schmack­sa­che.  Auch wünschte man dem im­mer­hin 224-sei­ti­gen Band über seine simple al­pha­be­ti­sche Rei­hung hin­aus eine zu­min­dest grobe the­ma­ti­sche Glie­de­rung. Und schließ­lich hätte der le­xi­ka­li­schen «Blei­wüste» die­ses Bu­ches die eine oder an­dere Il­lus­tra­tion gut ge­tan.

Aber das sind un­term Strich Mar­gi­na­lien, für die eine breite und ab­wechs­lungs­rei­che Zi­ta­ten-Pa­lette, re­dak­tio­nell sehr sorg­fäl­tig re­cher­chierte so­wie de­tail­liert aus­ge­ar­bei­tete De­fi­ni­tio­nen, Quel­len­hin­weise und se­man­ti­sche Ver­knüp­fun­gen mehr als ent­schä­di­gen. Wer also seine All­ge­mein­bil­dung in Sa­chen Zi­tate er­wei­tern, die eine oder an­dere ent­fal­lene Wen­dung neu re­cher­chie­ren oder ein­fach sei­nen bil­dungs­bür­ger­li­chen Wort­schatz zwecks An­ge­be­rei et­was auf Vor­der­mann brin­gen will, kommt mit die­ser Du­den-No­vi­tät voll auf seine Kos­ten. ■

Du­den: Wer hats ge­sagt? – Be­rühmte Zi­tate und Re­de­wen­dun­gen, 224 Sei­ten, ISBN 978-3-411-74131-1

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