Der Salzburger «Jedermann» 2000 auf DVD

.

Unaufdringlich-zurückhaltende Inszenierung

Christian Schütte

.
Jedermann_2000_Arthaus_DVDHugo von Hofmannsthals «Jedermann» gehört zu den Salzburger Festspielen wie kein zweites Stück. Seit der Gründung der Festspiele 1920 hat sich eine bedeutende Reihe an Regisseuren daran gemacht, den imposanten Eingangsbereich des Salzburger Doms zur Theaterbühne werden zu lassen, unzählige berühmte Schauspieler sind dort aufgetreten. Dieser Tage werden die Festspiele wie jedes Jahr mit der ersten Vorstellung des «Jedermann» eröffnet, erneut ist die Produktion von Christian Stückl zu sehen und Peter Simonischek ist in der Titelrolle in den letzten Jahren schon zu einer Salzburger Institution geworden.
Das Label Arthaus Musik hat vor kurzem nun einen Live-Mitschnitt der Aufführung aus dem Jahr 2000 veröffentlicht. Die Inszenierung stammte da von Gernot Friedel, Ulrich Tukur spielte den Jedermann. Die übrigen Rollen waren u.a. mit Otto Sander als Tod und Dörte Lyssewski als Buhlschaft besetzt.

Hugo von Hofmannsthal
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Die Geschichte vom Jedermann, das «Spiel vom Sterben des reichen Mannes», wie es im Untertitel heißt, lebt in dieser Produktion vor allem durch die außergewöhnliche Präsenz von Ulrich Tukur, der die Rolle ganz verinnerlicht hat. Otto Sander ist in den kurzen Auftritten des Todes mit seiner markanten, rauchigen Stimme mehr als furchteinflößend. Nicht weniger eindrucksvoll ist Thomas Thieme als güldener Mammon. Dörte Lyssewski ist eine leichtlebige Buhlschaft, die ihren Jedermann wahrlich zu becircen weiß. Johannes Krisch als Jedermanns guter Gesell mahnt im Lauf des Spiels immer eindringlicher an Jedermanns Gewissen – bis er sich von ihm verabschiedet. Christine Ostermayer als Jedermanns Mutter ist sorgenvoll-mahnend um ihren Sohn bedacht. Das übrige Ensemble trägt nicht minder zur insgesamt überzeugenden schauspielerischen Seite dieser Produktion bei.

Salzburger Dom-Platz
Imposante «Jedermann»-Kulisse: Der Salzburger Dom-Platz

Ob die musikalischen Einlagen von Werner Preisegott Pirchner in dieser Form eine wirkliche Ergänzung zu den mittelalterlich-historischen, im besten Sinne traditionellen Kostümen – vor allem für die allegorischen Figuren – von Imre Vincze darstellen, ist sicher Geschmackssache. Abgesehen davon ist die Regie von Gernot Friedel aber angenehm unaufdringlich und zurückgenommen, ganz auf die Personen konzentriert. Die Personenregie wäre sicherlich durch sorgfältigere Kameraführung auch auf einer DVD markanter hervorzuheben. Fraglich ist, ob die gelegentlichen Einblendungen von Szenen hinter der Bühne, etwa während des musikalischen Vorspanns und nach dem Auftritt des Mammon, wirklich sein müssen, lenken sie doch unnötig vom Bühnengeschehen ab.
Die Menüführung auf dieser DVD ist klar und übersichtlich, als Bonus gibt es drei Trailer aus anderen Salzburger Produktionen: «Jedermann» von 1970, die Uraufführung von Thomas Bernhards «Der Ignorant und der Wahnsinnige» von 1972 und Franz Grillparzers «Die Jüdin von Toledo» aus dem Jahr 1990.

Salzburger Festspiele 2000 (Tukur / Lyssewski /Ostermeyer / Fritz Muliar / Sander u.v.a.): Hoffmannsthal, Jedermann, Arthaus-Musik, ASIN 3941311182

.

.

.

Dein Kommentar ist uns willkommen!