Anekdoten aus der Welt der Literatur (2)

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 5 Minu­ten

Keine Improvisationen bitte

Ein neuer bunter Strauss von Literatur-Anekdoten

von Wal­ter Eigenmann

Christian Grabbe

Der Dra­ma­ti­ker Chris­tian Diet­rich Grabbe war auch ein gefürch­te­ter Thea­ter­kri­ti­ker. In Düs­sel­dorf gas­tierte drei Abende hin­ter­ein­an­der ein berühm­ter Tenor namens Hahn. Da schrieb Grabbe: „Und als der Hahn zum drit­ten Mal krähte, ging Petrus hin­aus und weinte bitterlich.“

Ludvig Holberg

Ludvig Holberg
Lud­vig Holberg

Der däni­sche Dich­ter Hol­berg legte gar kei­nen Wert auf sein Äus­se­res. So konnte er sich auch nicht von einem uralten, schä­bi­gen Hut tren­nen. Ein leicht ange­trun­ke­ner Stu­dent hielt ihn ein­mal an und sagte:
„Was? Das Ding auf Ihrem Kopf nen­nen Sie Hut?“
Wor­auf Hol­berg erwi­derte: „Was? Das Ding unter Ihrem Hut nen­nen Sie Kopf?“

Wilhelm Hauff

Wil­helm Hauff suchte einen Ver­le­ger für sei­nen his­to­ri­schen Roman „Lich­ten­stein“, einst ein Best­sel­ler. Der Stutt­gar­ter Ver­le­ger Frankh war bereit, das Buch zu dru­cken, schickte Hauff tau­send Gul­den und schrieb, Hauff möge ent­schul­di­gen, wenn der Stil des Brie­fes nicht ein­wand­frei sei. Da erwi­derte Hauff:
„Ein Brief mit tau­send Gul­den ist immer in ein­wand­freiem Stil geschrieben.“

Enrico Butti

Der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Butti gab auch eine kleine lite­ra­ri­sche Zeit­schrift her­aus, die nach eini­gen Num­mern starb. In der letz­ten Num­mer schrieb er: „Diese Zeit­schrift ist gebo­ren wor­den, weil ich kein Geld hatte. Heute stirbt sie aus dem glei­chen Grund.“

Jean Paul
Jean Paul

Jean Paul

Jean Paul war ein gros­ser Kaf­fee­trin­ker. Goe­the, der ihn nicht sehr schätzte, sagte:
„Ein glück­li­cher Mensch, die­ser Jean Paul! Er braucht nur eine Tasse Kaf­fee zu trin­ken, und schon kann er dichten!“

W.G. Bielinsky

Einer der berühm­tes­ten Schrift­stel­ler sei­ner Zeit in Russ­land war Biel­in­sky, der sich gern mit meta­phy­si­schen Fra­gen befasste. So redete er denn unun­ter­bro­chen, bis Tur­gen­jeff meinte, es sei Zeit zum Abendessen.
„Was?!“ rief Biel­in­sky. „Wir haben die Frage der Exis­tenz Got­tes noch nicht gelöst, und Sie wol­len zum Abend­essen gehn?!“

Heinrich Heine

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In das Album sei­nes rei­chen Onkels Salo­mon schrieb Heine:
„Lie­ber Onkel, leih mir hun­dert­tau­send Tha­ler und erin­nere dich nie mehr Dei­nes zärt­lich erge­be­nen Neffen.“

Hermann Bahr

Her­mann Bahr sass mit sei­nem Patri­ar­chen­bart neben einer jun­gen Dame, die sagte: „Wie freue ich mich, end­lich den Dich­ter Suder­mann ken­nen zu lernen!“
Bahr erwi­derte, ohne mit der Wim­per zu zucken: „Sie irren sich, mein Fräu­lein. Ich bin nicht Suder­mann, ich bin Brahms.“
„Ach, ver­zei­hen Sie!“ rief die junge Dame beschämt. „Wie konnte ich mich nur so irren! Aber ich wusste, dass ich ein gross­ar­ti­ges Buch von Ihnen gele­sen habe.“
„Da mei­nen Sie gewiss Brahms Tierleben.“
„Rich­tig! Rich­tig! Ein herr­li­ches Buch…!“

Otto Hartleben

Ein jun­ger Schau­spie­ler, der in Hart­le­bens „Rosen­mon­tag“ einen Offi­ziers­bur­schen gespielt hatte, kam zum Autor und bat ihn um eine Emp­feh­lung an einen Thea­ter­di­rek­tor. Hart­le­ben schrieb:
„Ich emp­fehle Ihnen den Schau­spie­ler X. Er hat viel Talent, spielt Wil­helm Tell, Ham­let, Cäsar, Offi­ziers­bur­schen, Flöte und Bil­lard. Am bes­ten Billard.“

Gerhart Hauptmann

Gerhard Hauptmann
Ger­hard Hauptmann

Ger­hart Haupt­mann steigt in den Wagen, um zur Pre­miere eines sei­ner Stü­cke zu fah­ren. Da klopft ihm ein Mann auf die Schul­ter. „Haupt­mann…?“
„Ja…“
„Kennst du mich nicht mehr? Ich bin doch Mettge. Karl Mettge. Sind wir nicht in Bres­lau zusam­men in die Real­schule gegangen?“
Haupt­mann erin­nert sich dunkel.
„Na“, fährt Mettge fort, „und was hast du denn die ganze Zeit über getrieben?“

Roda Roda

Als man von den Unter­schie­den zwi­schen Ita­lien und Öster­reich sprach, sagte Roda Roda:
„Über Ita­lien lacht der blaue Him­mel; über Öster­reich lacht die ganze Welt.“

Mark Twain

Mark Twain liebte es nicht, im Zug ange­spro­chen zu wer­den. Ein­mal fragte ihn ein Rei­se­ge­fährte, was für ein Buch er lese. Mark Twain über­hörte die Frage. Da fan­den der Rei­se­ge­fährte und des­sen Frau, das sei ein­mal ein eif­ri­ger jun­ger Mann, der so in seine Stu­dien ver­tieft war. Und dann bot er Mark Twain eine Zigarre an.
„Danke, ich rau­che nicht“, erwi­derte Mark Twain.
Aber­mals Begeis­te­rung über den tugend­haf­ten Jüngling.
„Aber ein Glas Whisky neh­men Sie doch?“
„Danke, ich trinke nicht.“
Die Begeis­te­rung stei­gerte sich, und der Rei­se­ge­fährte sagte: „Ich muss Sie mei­ner Frau vorstellen.“
„Danke“, ent­geg­nete Mark Twain uner­schüt­ter­lich, „aber ich mache mir nichts aus Frauen.“

Bernard Shaw
Ber­nard Shaw

Bernard Shaw

Bei einer Thea­ter­probe unter­brach Shaw einen Schauspieler:
„Hal­ten Sie sich, bitte, an mei­nen Text und fügen Sie keine Impro­vi­sa­tio­nen hinzu, die über­dies höchst geschmack­los sind.“
Der Schau­spie­ler erwi­derte sehr erstaunt: „Aber ich habe doch kein Wort hin­zu­ge­setzt, das nicht von Ihnen wäre!“
Shaw blickte in den Text und musste zuge­ben, dass der Schau­spie­ler recht hatte.
„Mein Gott, wie tief man manch­mal sin­ken kann!“ rief er. ♦

Lesen Sie im Glarean Maga­zin auch die
Anek­do­ten aus der Welt der Lite­ra­tur (1)

… sowie die
Anek­do­ten aus der Welt des Schachs

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