Internationales Musik-Symposium in Oldenburg

Lese­zeit für die­sen Bei­trag: ca. 3 Minu­ten

Böse.Macht.Musik“ – Das klingend Diabolische

von Dr. Mar­kus Gärtner

Ist es ein Wag­nis, Ver­knüp­fun­gen auf­zei­gen zu wol­len zwi­schen der „unpo­li­ti­schen“, „gefühl­vol­len“ oder wie auch sonst pseu­do­ro­man­tisch ver­klär­ten Musik und der Macht des Bösen? Womög­lich, aber gerade ange­sichts der sich kon­ti­nu­ier­lich wan­deln­den glo­ba­len Medi­en­ge­sell­schaft muss es der Wis­sen­schaft umso mehr ein Anlie­gen sein, neue – auch sper­rige – Sicht- und Denk­wei­sen anzu­re­gen. Die­ser Auf­gabe hat sich das stu­den­ti­sche Orga­ni­sa­ti­ons­team des vom 10. bis zum 13. Okto­ber 2008 statt­fin­den­den Olden­bur­ger Sym­po­si­ums gestellt, das inter­es­sierte Stu­die­rende, aus­übende Musiker/innen, Doktorand/innen und junge Wissenschaftler/innen aus Musik­wis­sen­schaft und Nach­bar­dis­zi­pli­nen ein­lädt, über Fra­ge­stel­lun­gen nach­zu­den­ken, die mit dem Kli­schee einer seman­tisch aus­schliess­lich posi­tiv besetz­ten Musik brechen.

Das Böse als zentraler Begriff der Ethik

Böse. Macht. Musik (Symposium Oldenburg)

Seit jeher kennt die phi­lo­so­phi­sche Ethik das Böse als einen zen­tra­len Begriff. Auf­fäl­li­ger­weise jedoch spa­ren die zahl­rei­chen Ansätze einer „Ästhe­tik des Bösen“ den musi­ka­li­schen Bereich bis­her aus. Das Thema „Böse.Macht.Musik“ eröff­net Anknüp­fungs­punkte zu ver­schie­de­nen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen − von der Musi­ko­lo­gie über die Phi­lo­so­phie bis hin zur Medien- und Poli­tik­wis­sen­schaft. Denn das Böse ist nicht nur ein Grund­be­griff zahl­rei­cher Reli­gio­nen, son­dern es bil­det seit jeher auch einen zen­tra­len Ter­mi­nus der phi­lo­so­phi­schen Ethik. Spä­tes­tens seit dem 19. Jahr­hun­dert eta­blierte es sich aus­ser­dem als ästhe­ti­sche Kate­go­rie, wel­che von unmit­tel­bar mora­li­schen Aspek­ten los­ge­löst erscheint. Ob nun bei der Lek­türe von Charles Bau­de­lai­res Gedicht­zy­klus „Les fleurs du mal“ oder bei medial ver­mit­tel­ter Kriegs­be­richt­erstat­tung: Das Böse hat eine ästhe­ti­sche Anzie­hungs­kraft. Aller­dings spa­ren die zahl­rei­chen Ansätze einer „Ästhe­tik des Bösen“ den musi­ka­li­schen Bereich bis­her weit­ge­hend aus. Das Sym­po­sium soll als Impuls die­nen, diese Lücke zu schliessen.

Verbindungslinien zwischen dem Reich der Musik und der Macht des Bösen

Wagner-Musik beim Massen-Töten - Szene aus F. Coppolas Kult-Film
Hero­isch-schöne Wag­ner-Musik beim Mas­sen­tö­ten – Szene aus F. Cop­po­las Kult-Film „Apo­ca­lypse Now“ („Ritt der Wal­kü­ren“ – You­Tube)

Vor­sätz­lich haben die Orga­ni­sa­to­ren ihr Thema sehr weit­räu­mig auf­ge­fasst. Das Sym­po­sium ver­steht sich als Forum, das einer­seits den aktu­el­len Stand der For­schung wider­spie­geln, dar­über hin­aus das „Böse“ als ästhe­ti­sche Idee zu fas­sen bekom­men möchte – ohne Scheu­klap­pen vor unbe­que­men Ant­wor­ten. Wo Ver­bin­dungs­li­nien bestehen zwi­schen dem angeb­lich so lich­ten Reich der Musik und der Macht des Bösen, wo nach der Dif­fe­ren­zie­rung von Karl Rosen­kranz’ „Ästhe­tik des Häss­li­chen“ (1853) das Ver­bre­che­ri­sche, das Gespens­ti­sche und das Dia­bo­li­sche zu klin­gen begin­nen, dort wer­den junge For­scher tie­fer boh­ren und tönende Mate­ria­li­sa­tio­nen des Bösen genauer unter die Lupe nehmen.

Verschiedene nationale Denk- und Wissenschaftstraditionen

Durch die Betei­li­gung von Refe­ren­ten aus unter­schied­li­chen Län­dern wie Kanada, Ser­bien, Polen und den USA wird es mög­lich, ver­schie­dene natio­nale Denk- und Wis­sen­schafts­tra­di­tio­nen als Grund­lage für die Beant­wor­tung der skiz­zier­ten Fra­gen heran zu zie­hen. So bie­tet das Sym­po­sium die Mög­lich­keit zum direk­ten Aus­tausch von Wis­sen­schaft­lern, Stu­den­ten, Künst­lern und Inter­es­sier­ten − und das auf inter­na­tio­na­ler Ebene. – Ein voll­stän­di­ges Pro­gramm mit allen Vor­trä­gen und künst­le­ri­schen Bei­trä­gen kann im Inter­net abge­ru­fen wer­den. (M. Gärt­ner, Team­lei­ter „Inhalt­li­che Kon­zep­tion“)

Böse.Macht.Musik“ – Inter­na­tio­na­les stu­den­ti­sches Sym­po­sium vom 10.-13. Okto­ber 2008, Insti­tut für Musik der Carl von Ossietzky Uni­ver­si­tät Olden­burg (Das Sym­po­sium fin­det unter Trä­ger­schaft des DVSM e.V. – Dach­ver­band der Stu­die­ren­den der Musik­wis­sen­schaft – statt.)

Im Anschluss an das Sym­po­sium wur­den des­sen Bei­träge in einer Publi­ka­tion zusammengefasst:
Katha­rina Wisotzki & Sara R. Falke (Hrsg.): Böse Macht Musik – Zur Ästhe­tik des Bösen in der Musik, 226 Sei­ten, Tran­script Ver­lag, ISBN 978-3-8376-1358-2

Lesen Sie im Glarean Maga­zin zum Thema „Musik-Psy­cho­lo­gie“ auch über
Oruç Güvenç: Hei­lende Musik aus dem Orient

… sowie zum Thema Musik und Poli­tik über
Ste­fan Han­heide: Pace – Musik zwi­schen Krieg und Frieden

2 Kommentare

  1. Doch, doch – das Orga­ni­sa­ti­ons­team freut sich über jeden Besu­cher. Die Teil­nahme ist weder begrenzt noch kos­ten­pflich­tig. Nur um Anmel­dung via mail (symposium2008@dvsm.de) wird gebeten!

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