Internationales Musik-Symposium in Oldenburg

«Böse.Macht.Musik» – Das klingend Diabolische

von Dr. Mar­kus Gärt­ner

Böse. Macht. Musik (Symposium Oldenburg)
Böse. Macht. Mu­sik (Sym­po­sium Ol­den­burg)

Ist es ein Wag­nis, Ver­knüp­fun­gen auf­zei­gen zu wol­len zwi­schen der «un­po­li­ti­schen», «ge­fühl­vol­len» oder wie auch sonst pseu­do­ro­man­tisch ver­klär­ten Mu­sik und der Macht des Bö­sen? Wo­mög­lich, aber ge­rade an­ge­sichts der sich kon­ti­nu­ier­lich wan­deln­den glo­ba­len Me­di­en­ge­sell­schaft muss es der Wis­sen­schaft umso mehr ein An­lie­gen sein, neue – auch sper­rige – Sicht- und Denk­wei­sen an­zu­re­gen. Die­ser Auf­gabe hat sich das stu­den­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­ons­team des vom 10. bis zum 13. Ok­to­ber 2008 statt­fin­den­den Ol­den­bur­ger Sym­po­si­ums ge­stellt, das in­ter­es­sierte Stu­die­rende, aus­übende Musiker/innen, Doktorand/innen und junge Wissenschaftler/innen aus Mu­sik­wis­sen­schaft und Nach­bar­dis­zi­pli­nen ein­lädt, über Fra­ge­stel­lun­gen nach­zu­den­ken, die mit dem Kli­schee ei­ner se­man­tisch aus­schließ­lich po­si­tiv be­setz­ten Mu­sik bre­chen. –

Seit je­her kennt die phi­lo­so­phi­sche Ethik das Böse als ei­nen zen­tra­len Be­griff. Auf­fäl­li­ger­weise je­doch spa­ren die zahl­rei­chen An­sätze ei­ner «Äs­the­tik des Bö­sen» den mu­si­ka­li­schen Be­reich bis­her aus. Das Thema «Böse.Macht.Musik» er­öff­net An­knüp­fungs­punkte zu ver­schie­de­nen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen − von der Mu­si­ko­lo­gie über die Phi­lo­so­phie bis hin zur Me­dien- und Po­li­tik­wis­sen­schaft. Denn das Böse ist nicht nur ein Grund­be­griff zahl­rei­cher Re­li­gio­nen, son­dern es bil­det seit je­her auch ei­nen zen­tra­len Ter­mi­nus der phi­lo­so­phi­schen Ethik. Spä­tes­tens seit dem 19. Jahr­hun­dert eta­blierte es sich au­ßer­dem als äs­the­ti­sche Ka­te­go­rie, wel­che von un­mit­tel­bar mo­ra­li­schen As­pek­ten los­ge­löst er­scheint. Ob nun bei der Lek­türe von Charles Bau­de­lai­res Ge­dicht­zy­klus «Les fleurs du mal» oder bei me­dial ver­mit­tel­ter Kriegs­be­richt­erstat­tung: Das Böse hat eine äs­the­ti­sche An­zie­hungs­kraft. Al­ler­dings spa­ren die zahl­rei­chen An­sätze ei­ner «Äs­the­tik des Bö­sen» den mu­si­ka­li­schen Be­reich bis­her weit­ge­hend aus. Das Sym­po­sium soll als Im­puls die­nen, diese Lü­cke zu schlie­ßen.

Wagner-Musik beim Massen-Töten - Szene aus F. Coppolas Kult-Film «Apocalypse Now»: Amerikanische Kriegs-Helikopter mähen vietnamesische Zivilisten nieder, zu Klängen des «Walküren-Ritts» (YouTube)
Wag­ner-Mu­sik beim Mas­sen-Tö­ten – Szene aus F. Cop­po­las Kult-Film «Apo­ca­lypse Now»: Ame­ri­ka­ni­sche Kriegs-He­li­ko­pter mä­hen viet­na­me­si­sche Zi­vi­lis­ten nie­der, zu Klän­gen des «Wal­kü­ren-Ritts» (You­Tube)

Vor­sätz­lich ha­ben die Or­ga­ni­sa­to­ren ihr Thema sehr weit­räu­mig auf­ge­fasst. Das Sym­po­sium ver­steht sich als Fo­rum, das ei­ner­seits den ak­tu­el­len Stand der For­schung wi­der­spie­geln, dar­über hin­aus das «Böse» als äs­the­ti­sche Idee zu fas­sen be­kom­men möchte – ohne Scheu­klap­pen vor un­be­que­men Ant­wor­ten. Wo Ver­bin­dungs­li­nien be­stehen zwi­schen dem an­geb­lich so lich­ten Reich der Mu­sik und der Macht des Bö­sen, wo nach der Dif­fe­ren­zie­rung von Karl Ro­sen­kranz’ «Äs­the­tik des Häß­li­chen» (1853) das Ver­bre­che­ri­sche, das Ge­spens­ti­sche und das Dia­bo­li­sche zu klin­gen be­gin­nen, dort wer­den junge For­scher tie­fer boh­ren und tö­nende Ma­te­ria­li­sa­tio­nen des Bö­sen ge­nauer un­ter die Lupe neh­men.

Durch die Be­tei­li­gung von Re­fe­ren­ten aus un­ter­schied­li­chen Län­dern wie Ka­nada, Ser­bien, Po­len und den USA wird es mög­lich, ver­schie­dene na­tio­nale Denk- und Wis­sen­schafts­tra­di­tio­nen als Grund­lage für die Be­ant­wor­tung der skiz­zier­ten Fra­gen heran zu zie­hen. So bie­tet das Sym­po­sium die Mög­lich­keit zum di­rek­ten Aus­tausch von Wis­sen­schaft­lern, Stu­den­ten, Künst­lern und In­ter­es­sier­ten − und das auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene. – Ein voll­stän­di­ges Pro­gramm mit al­len Vor­trä­gen und künst­le­ri­schen Bei­trä­gen kann im In­ter­net ab­ge­ru­fen wer­den. (M.Gärtner, Team­lei­ter «In­halt­li­che Kon­zep­tion»)

«Böse.Macht.Musik» – In­ter­na­tio­na­les stu­den­ti­sches Sym­po­sium vom 10.-13. Ok­to­ber 2008, In­sti­tut für Mu­sik der Carl von Os­sietzky Uni­ver­si­tät Ol­den­burg (Das Sym­po­sium fin­det un­ter Trä­ger­schaft des DVSM e.V. – Dach­ver­band der Stu­die­ren­den der Mu­sik­wis­sen­schaft – statt.)

2 Gedanken zu “Internationales Musik-Symposium in Oldenburg

  1. Doch, doch – das Or­ga­ni­sa­ti­ons­team freut sich über je­den Be­su­cher. Die Teil­nahme ist we­der be­grenzt noch kos­ten­pflich­tig. Nur um An­mel­dung via mail (symposium2008@dvsm.de) wird ge­be­ten!

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