Jürg Seiberth: Musik und Schule (Ein Pamphlet)

Die Musik braucht die Schule nicht!

Ein Pamphlet von «Pantalone» 

Es mag paradox klingen, aber den Jugendlichen ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht ertragen, wenn die Schule sie vereinnahmt. Deshalb wird die Schulmusik nicht ernst genommen, das ist die Krise der Schulmusik. –

Pantalone ging skeptisch an den Anlass, dessen Thema die Schweizer Volksinitiative «jugend+musik» war. Musik ist  doch ein Allerweltsthema. Alle würden sich auf die Schultern klopfen. Wer hat denn etwas gegen Musik?
Aber die Veranstaltung war gut. Es gab Harfenmusik, schön, fein, aber auch ein wenig neckisch und stachlig. Pantalone wurde es warm ums Herz. Musik ist die Grundlage aller Poesie. Schön auch, dass es in der Schweiz diese Initiative gibt, und dass die Schweizer  in den nächsten Monaten weiter über Musik diskutieren werden. Niemand ist gegen Musik, solange es nicht an die Ressourcen geht, ans Geld und an die Zeit.

Der Musikunterricht an den Schulen wird marginalisiert

Zum Beispiel an die Schulzeit. Der Musikunterricht an den Schulen wird marginalisiert, ihr Gewicht in der LehrerInnenausbildung nimmt ab. Hector Herzig, der Präsident des Verbandes Musikschulen Schweiz, lieβ sich zur Aussage hinreiβen, wenn Musikerziehung derart vernachläβigt werde, müsse man sich nicht wundern, wenn die pubertierende Jugend «keine Affinität zur Musik» habe.
Da musste Pantalone intervenieren: In keinem Lebensalter ist die Affinität zur Musik gröβer als in der Pubertät. Die Krise des Musikunterrichts hat ihre Ursache nicht darin, dass sich die Jugend nicht für Musik interessiert. Im Gegenteil, Musik ist das wichtigste im Leben der Jugendlichen. Pantalone vermutet, dass das schon in der Steinzeit so war, und er ist sicher, dass es heute so ist.

Musik soll neben der Schule stattfinden!

Merkwürdig findet Pantalone, dass es Leute gibt, die denken, die Musik sei auf die Schule angewiesen. Es mag paradox klingen, aber den Jugendlichen ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht ertragen, wenn die Schule sie vereinnahmt. Pantalone ist überzeugt: So wichtig es ist, dass die Musik ihren Platz in der Primarschule hat, für die SekundarschülerInnen muss die Musik hauptsächlich neben der Schule stattfinden, im Kreis von Freunden, in der Disco, im Bandkeller, und vor allem auch in den Musikschulen.

Die Musikschule wiederum tut gut daran, sich von der Schule zu distanzieren. In der Musikschule passiert nicht das gleiche wie in der Schule. Deshalb sind auch private Musikschulen (z.B. die Basler Musikwerkstatt) so beliebt und so erfolgreich. Die pubertierenden Jugendlichen suchen Musik und sie suchen Menschen, die sie in die Geheimnisse der Musik einweihen, aber sie suchen das alles nicht in der Schule.

Vielleicht braucht die Schule die Musik, die Musik braucht die Schule nicht. Die Musik braucht auch keine Lobby, aber die Lobby braucht offenbar die Musik. Pantalone ist natürlich für die Initiative, denn wie gesagt: Musik ist die Grundlage aller Poesie. Aber Musik ist nicht primär ein Schulthema. Es geht um Menschen und um Musik. Die Musikausbildung, das Musizieren, das Musikhören kann und muss auch und vor allem auβerhalb der Schule massiv gefördert werden. ♦


Jürg Seiberth alias Pantalone zur Problematik "Musik und Schule"Pantalone
ist eine „Maske“ von Jürg Seiberth, geb. 1955, freier Autor und Texter, Hobbymusiker und Musikschulrat, lebt in Arlesheim. «Die Musik braucht die Schule nicht» erschien zuerst in seinem Weblog Pantalones Poetik – Mit freundlicher Genehmigung des Autors

Lesen Sie im Glarean Magazin zum Thema „Musik und Gesellschaft“ auch über Ursula Petrik: Die Leiden der Neuen Musik

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